Im Rahmen seiner Doktorarbeit an der ETH Zürich forscht Andrés Javier Bello-Hernández an einem Diagnoseger?t für das Denguefieber. Die neue Technologie k?nnte in Zukunft auch bei anderen Viruskrankheiten eingesetzt werden.?
Ein kleines Dorf auf einem Hochplateau in Kolumbien – hier ist Andrés Javier Bello-Hernández geboren. ?Ich war froh, dass ich hier leben durfte und dennoch die Vorteile der Grossstadt Bogotá nutzen konnte.? Der heute 32-J?hrige verbrachte viel Zeit in der Natur, beim Spielen in den W?ldern. In der Primarschule konnte er seine Vorlieben und F?higkeiten entdecken und fand Gefallen an Schach, an der Musik, an Sprachen und am Tanzen. Zu seinen vielf?ltigen Interessen kommt noch ein weiteres, zukunftsweisendes dazu: jenes an Naturwissenschaften. ?Schon als Kind wollte ich wissen, wie die Welt funktioniert?, erinnert er sich.
Bello-Hernández begann an der Universidad Nacional de Colombia ein Studium in Chemieingenieurwesen. Dank seiner guten Leistung erhielt er Zugang zu intensivem Sprachunterricht und lernte Portugiesisch, Franz?sisch, Italienisch und Deutsch. Letzteres konnte er w?hrend eines Austauschjahres am Karlsruher Institut für Technologie noch perfektionieren.
Die verschiedenen Kulturen und die Internationalit?t in Europa haben Bello-Hernández gefallen: Nachdem er sein Masterstudium in Biochemischer Verfahrenstechnik in Kolumbien abgeschlossen hat, zieht es ihn wieder nach Europa?– dieses Mal in die Schweiz. Als er sich für ein Doktoratsstipendium an der ETH bewirbt, meint der Betreuer seiner Masterarbeit mit einem Augenzwinkern: ?Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass sie Ja sagen!? Tats?chlich, die ETH sagte Ja, und 2021 kam Bello-Hernández nach Zürich in die Forschungsgruppe von Andrew de Mello, Professor für Bioverfahrenstechnik. Die Gruppe forscht im Bereich Mikrofluidik mit Anwendungen in Chemie, Biologie und Medizin.?Hier will Bello-Hernández im Rahmen seiner Doktorarbeit ein Diagnoseger?t für das Denguefieber entwickeln.
Wissen mit globaler Wirkung
Dieser Text ist in der Ausgabe 26/01 des ETH-????Magazins Globe erschienen.
Mit seinem Forschungsgebiet war er in seiner Kindheit nie direkt in Kontakt gekommen: Sein Heimatort liegt auf rund 2600 Meter über Meer – zu hoch für die Stechmücken, die diese Tropenkrankheit übertragen. Das Denguefieber hat sich in den letzten Jahren stark ausgebreitet, auch in Tieflandregionen Kolumbiens. Diese Situation k?nnte sich jedoch aufgrund der globalen Erw?rmung ?ndern. Die Bev?lkerung in L?ndern mit niedrigen und mittleren Einkommen ist besonders betroffen. Denn Goldstandard-Diagnosemethoden für Infektionen beruhen auf dem PCR-Verfahren – bekannt aus der Coronapandemie –, was eine teure Apparatur voraussetzt. Kostengünstige und tragbare Diagnosetechnologien, wie sie Bello-Hernández entwickeln will, k?nnten die Situation verbessern. Mit hochsensitiven und spezifischen Schnelltests lassen sich Infektionen mit dem Denguevirus leichter nachweisen, was die Sterblichkeit verringert.
Das Denguefieber sei eine komplizierte tropische Krankheit, betont Bello-Hernández. Die meisten infizierten Menschen würden keine oder unspezifische Symptome entwickeln. In selteneren F?llen k?nne das Denguefieber aber auch t?dlich sein. ?Darum ist es wichtig, dass man infizierte Personen erkennt und ?rztlich beobachtet. Wenn man jemanden richtig behandelt, lassen sich solch schwere F?lle vermeiden.?
Der von ihm entwickelte Prototyp zur schnellen Diagnose soll noch in diesem Jahr fertiggestellt sein. Doch Bello-Hernández denkt schon einen Schritt weiter: ?Diese Technologie k?nnte in Zukunft auch für andere Viren und nicht-tropische Krankheiten eingesetzt werden.? Sp?ter einmal ein Start-up zu gründen, um das Diagnoseger?t auf den Markt zu bringen, w?re sein Traum – vielleicht sogar in der Schweiz.
F?rderprogramm für Doktorierende
Das ETH4D Doctoral Scholarship Programme unterstützt Doktoriende aus L?ndern mit niedrigen und mittleren Einkommen in Forschungsbereichen, die das Leben in ?rmeren Regionen der Welt verbessern.