Loïc Pellissier, wie bringt man Unternehmen dazu, die Biodiversität besser zu schützen?
Die biologische Vielfalt hat weltweit stark gelitten. Für deren Schutz sollen sich vermehrt auch Unternehmen einsetzen. Dazu brauchen sie jedoch verl?ssliche Indikatoren, die den Erfolg von Massnahmen zugunsten der Natur beziffern, schreibt ETH-?kosystemforscher Lo?c Pellissier.
Vor kurzem hat das Forum Biodiversit?t der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz seinen Bericht über die Biodiversit?t in der Schweiz ver?ffentlicht. Dieser zeigt, dass der Zustand der biologischen Vielfalt hierzulande ungenügend ist. Seit der Jahrtausendwende hat sich der Rückgang allerdings verlangsamt und es zeigen sich auch positive Entwicklungen. Sie reichen aber nicht, um den Abw?rtstrend zu stoppen oder gar umzukehren.
Das ist eine Best?tigung dafür, dass wir funktionierende L?sungen haben und dass wir wissen, wie wir Biodiversit?t besser schützen k?nnen. Die grosse Herausforderung ist nun, die L?sungen breit anzuwenden. Und dazu müssen alle gesellschaftlichen Akteure etwas beitragen und mehr Verantwortung übernehmen.
Der Experte
Lo?c Pellissier ist Professor für ?kosysteme und Landschaftsevolution an der ETH Zürich und der WSL und erforscht den Zusammenhang zwischen Landschaftsentwicklung und Biodiversit?t.
Bisher haben wir uns weitgehend auf die Beh?rden verlassen, die für den Schutz der Biodiversit?t Schutzgebiete schaffen oder Subventionen zahlen. Doch jetzt wird immer offensichtlicher, dass sich auch Unternehmen und private Akteure beteiligen müssen, um die biologische Vielfalt zu schützen.
W?hrend Klimaschutz mittlerweile in vielen Unternehmensstrategien verankert ist, bleibt die Biodiversit?t aussen vor. L?sungen für das Klimaproblem und gegen den Verlust der biologischen Vielfalt k?nnen jedoch eng verknüpft sein. Die Wiederherstellung von Mooren etwa zeigt, wie Klimaschutz und Biodiversit?tsf?rderung ineinandergreifen. Denn intakte (oder wiederhergestellte) Moore sind ein Kohlenstoffspeicher und gleichzeitig ein wichtiger Lebensraum für viele hoch spezialisierte, seltene Tiere und Pflanzen.
Ein Grund dafür, weshalb Unternehmen Massnahmen gegen den Biodiversit?tsverlust nur z?gerlich umsetzen, ist, dass sich die positiven Auswirkungen von Massnahmen auf die biologische Vielfalt nur schwer quantifizieren und in der Firmenbilanz ausweisen lassen –im Gegensatz zur CO2-Konzentration der Atmosph?re. Risiken, die im Zusammenhang mit Unt?tigkeit stehen, sind ebenfalls nicht gut quantifiziert. Dies führt dazu, dass Biodiversit?tsüberlegungen nicht in langfristige Unternehmensstrategien einfliessen.
Wenn Unternehmen hingegen ihre positive Wirkung auf die Biodiversit?t klar aufzeigen und ihre naturbezogenen Risiken quantifizieren, k?nnten sie ihr Image in der ?ffentlichkeit verbessern und würden dazu ermutigt, weitere Massnahmen zu ergreifen.
Damit Unternehmen den Biodiversit?tsschutz in ihre Strategien integrieren k?nnen, brauchen sie vergleichbare Daten und geeignete Indikatoren, mit denen sie ihre Wirkung auf die Biodiversit?t messen k?nnen. Beides fehlt derzeit. Ohne verl?ssliche Indikatoren k?nnen f?llt es Unternehmen schwer, den Schutz der biologischen Vielfalt in Lebenszyklusanalysen oder Umweltstrategien zu verankern.
Eine weitere Schwierigkeit ist, dass die biologische Vielfalt nicht nur die blosse Anzahl von Arten und Lebensr?umen umfasst, sondern auch die genetische Ebene. Diese l?sst sich allerdings nur mit grossem technischen Aufwand erfassen.
Wir erforschen deshalb skalierbare Methoden, um effizienter Daten über die Biodiversit?t zu gewinnen, aus denen sich geeignete Indikatoren ableiten lassen. In unserer Forschung entwickeln wir ein neues Messsystem, mit dem auch nicht wissenschaftlich geschulte Personen DNA-Spuren von Organismen im Wasser oder auf der Oberfl?che von Pflanzen sammeln und analysieren k?nnen – und damit diese Spuren in nützliche Informationen verwandeln.
Auf dem ETH-365体育官网_365体育备用【手机在线】 H?nggerberg haben wir zusammen mit dem Team von ETH Sustainability das Tool getestet. Die Resultate zeigten, dass selbst kleine Areale überraschend artenreich sein k?nnen – zur F?rderung der Biodiversit?t z?hlt also jeder Quadratmeter.
Die technischen M?glichkeiten sind also vorhanden – nun braucht es den Willen der Gesellschaft, den Schutz der Biodiversit?t so ernst zu nehmen wie den des Klimas. Nur wenn alle Akteure zusammenarbeiten, l?sst sich die biologische Vielfalt erhalten oder wiederherstellen. Das ist eine Voraussetzung für eine dauerhaft lebensf?hige Umwelt und das ?berleben unserer Gesellschaft.