Dank des Pilotprojekts STIFT+ k?nnen Dozierende handschriftliche Prüfungen mithilfe von KI korrigieren. Das macht die Prüfungsform auch für grosse Lehrveranstaltungen attraktiv. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Projekt.
Weshalb das Pilotprojekt?
Die Zahl der Studierenden im ersten Studienjahr ist stark angestiegen. Hunderte handschriftlicher Prüfungen manuell zu korrigieren, ist sehr aufwendig. Deshalb bieten viele Dozierende ihre Prüfungen inzwischen im Multiple-Choice-Format an, denn diese k?nnen maschinell korrigiert werden. Mithilfe einer KI-gestützten Korrektur k?nnen Dozierende auch in grossen Lehrveranstaltungen handschriftliche Prüfungen anbieten. Diese bieten den Studierenden mehr Freiraum für Herleitungen, Beweise, Skizzen und nachvollziehbare Argumentationsschritte. Sie k?nnen ihr Wissen so umfassender unter Beweis stellen, weil neben dem Ergebnis auch der L?sungsweg bewertet wird.
Kann KI tats?chlich Prüfungen korrigieren?
Die KI-gestützte Korrektur von handschriftlichen Prüfungen eignet sich für MINT-F?cher (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) im ersten Studienjahr. Es handelt sich um exakte Wissenschaften mit klaren, gut nachvollziehbaren Regeln. Aktuelle KI-Modelle k?nnen diese Aufgaben l?sen und somit auch die entsprechenden Prüfungsantworten korrigieren.
Wie funktioniert die KI-gestützte Korrektur?
Nachdem die Studierenden die Prüfungen auf Papier geschrieben haben, werden diese vor Ort oder sp?ter am jeweiligen Institut eingescannt und digitalisiert. Die Originale auf Papier werden archiviert. Das KI-System schl?gt dann eine bestimmte Anzahl Punkte pro Teilaufgabe vor. Sie stützt sich dabei auf eine Bewertungsrubrik, in welcher die Dozierenden vorher festgelegt haben, wie viele Punkte sie für welche Antwortelemente vergeben m?chten. Die Prüfenden führen im Onlinesystem Stichproben durch und kontrollieren so die Qualit?t der Bewertung. Danach werden die Prüfungen zur Einsicht für die Studierenden freigeschaltet. Sie k?nnen in einem bestimmten Zeitfenster (empfohlen werden zwei Wochen) bei den Bewertungen ein Veto einlegen. Tun sie dies, werden die von der KI zugewiesenen Punkte für einen bestimmten Aufgabenteil verworfen und die Prüfung geht zurück an die Prüfenden. Diese bewerten anschliessend die beanstandeten Aufgabenteile von Hand.
Wie stellt man sicher, dass die KI mit der Bewertung nicht daneben liegt?
Die Vergabe von Punkten ist transparent, und Studierende haben jederzeit die M?glichkeit, eine Bewertung anzuzweifeln und diese mit Lehrassistierenden oder Dozierenden zu besprechen. Die Software zur Verwaltung der KI-gestützten Korrektur handschriftlicher Prüfungen ist open source und für Interessierte einsehbar.
Wie wurde das System getestet?
Das entwickelte System wurde bei fünf Prüfungen in Mathematik, Thermodynamik und Chemie mit rund 1000 Studierenden getestet. Die Prüfungen wurden sowohl von den Dozierenden und ihren Assistierenden als auch von der KI bewertet. Die Bewertungen waren gr?sstenteils deckungsgleich. Gestützt auf diese Ergebnisse hat sich das Rektorat für den Pilotversuch entschieden.
Was passiert mit den Prüfungsdaten?
S?mtliche Daten werden auf Servern in Europa verarbeitet und auf ETH-eigenen Servern gespeichert. Die gescannten Prüfungen enthalten keine Studierendennamen, sondern Nummern, über welche nur ETH-intern eine Zuweisung zu Studierenden m?glich ist. Vertraglich wurde vereinbart, dass die verarbeiteten Daten nicht zum Trainieren der Modelle von Open AI genutzt werden.
Wie sehen die rechtlichen Rahmenbedingungen für ein KI-gestützte Korrektur aus?
Die Benotung geschieht weiterhin durch die Dozierenden, entsprechend den rechtlichen Vorgaben. Die KI verleiht lediglich Punkte für die Antworten und z?hlt diese zusammen. Der Workflow des Projekts wurde geprüft und erfüllt die Anforderungen der ETH Zürich an Datenschutz und -sicherheit.
Welche Vorteile bringt KI-gestützte Korrektur für die Studierenden?
Mithilfe des Systems sind hunderte von Prüfungen in wenigen Stunden korrigiert. Wenn die Dozierenden die Prüfungen schnell freigeben, erhalten die Studierenden bereits am Tag nach der Prüfung Einblick in die vorl?ufigen Resultate. W?hrend die nachtr?gliche Prüfungseinsicht bisher oft mit viel Aufwand verbunden war, wird sie bei der KI-gestützten Bewertung zum Normalfall.
KI-gestützte Prüfungsbewertung mit dem Projekt STIFT+
Ab dem?Frühlingssemester 2026?unterstützt das?Ethel-Team Dozierende dabei, offene, handschriftliche Prüfungen mit Hilfe von?KI?zu bewerten. Gemeinsam werden Aufgabenlayout, Rubriken, Bewertungsschemata und vetoberechtigte Teile der Prüfung entwickelt. Der technische Aufwand lohnt sich ab rund 100 zu korrigierenden Prüfungen.
Weitere Informationen finden Interessierte auf der Projekt-Webseite.
Fragen beantwortet
Das Projekt wird durch den Rector’s Impuls Fund aus einer Donation von Adrian Weiss finanziert.
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